Nuovi Fiori Musicali

Nuovi Fiori Musicali. Neue Musik für historische Orgeln, hg. von Reinhard Jaud. Doblinger 02470.

Die umgesetzte Idee „Neue Musik für alte Orgeln“ ist ein beachtenswerter Ansatz, historische Orgeln für zeitgenössische Musik nutzbar zu machen.

Nuovi

Jede Orgel ist mit einem Foto dokumentiert, alle Stücke sind ausführlich kommentiert. Entsprechend regt der Band eine Beschäftigung mit historischen Orgeln an, lässt aber in jedem Fall eine Darstellung auf der modernen Orgel zu. So unterschiedlich die Orgeln sind, so unterschiedlich ist die musikalische Herangehensweise, die von elf Organisten aus zehn Ländern stammt. Die Stücke sind technisch gut zu bewältigen und überwiegend manualiter.

Bernard Foccroulle komponierte das Werk „Spiegel“ für die kleine Orgel in Alkmar. Es handelt sich um 6 kontrastierende Versetten in Anlehnung an das Salve Regina von Arnold Schlick. Die nachfolgenden Stücke von Joris Verdin (Brüssel), Rainer Lischka (Freiberg), Caroline Charriére (Freiburg/Schweiz) und Peter Planyavsky (Innsbruck) zeigen einen starken organistischen Hintergrund. In ihnen schwingt das Moment der Improvisation oftmals deutlich mit, so dass man infrage stellen kann, ob eine Notation dieser Werke wirklich sinnvoll ist. Charakteristischer sind die „5 Etüden“ von Joao Pedro Oliveira (Lissabon) und die „Trois Pièces pour Orgue: Prélude, Interlude et Postlude“ von Luc Antonini (Toulouse).

Einen kompositorischen Höhepunkt bildet die Komposition „Sul Tasto“ von Filippo Perocco (Treviso/Italien), die sich durch sensibles Spiel mit dem Tastendruck auszeichnet und dadurch eine klangliche Binnenwelt aus differenzierten Anschlagsmöglichkeiten erzeugt. Die beiden nachfolgenden Kompositionen von Mladen Tarbuk (Umag/Kroatien) und Luis Pedro Bráviz Coarasa (Zaragoza/Spanien) enthalten verschiedene traditionelle Einflüsse. Hervorzuheben ist, dass alle Autoren selbst Organisten sind. Mit 144 Seiten ist die Notenausgabe umfangreich und zeigt, wie unterschiedlich sich Organisten einer kompositorischen Aufgabe stellen.

Dominik Susteck