Schluss

Grenzen

Die computergestützte Musikanalyse bietet die Möglichkeit, die Grenzen der Notenschrift in bestimmten Bereichen zu überwinden. Ähnliche Klänge werden mithilfe der Self-Similarity-Matrix untereinander in Beziehung gesetzt; Musik, die nicht notiert ist, erhält durch die Spektralanalyse einen graphischen Bezug zum zeitlichen musikalischen Verlauf der Aufnahme. Diese Form der Analyse erleichtert es vor allem, diejenigen Stellen der Musik sichtbar zu machen, an denen eine Veränderung stattfindet. Dort ist meist klar erkennbar, dass sich etwas verändert.

Je kleiner die Frames sind, in denen die Musik analysiert wird, desto exakter wird der zeitliche und rhythmische Verlauf der musikalischen Abschnitte angezeigt. Die Genauigkeit der spektralen Beschaffenheit leidet allerdings darunter. Je größer die Frames sind, desto exakter können Tonhöhe und die spektrale Beschaffenheit des Klangs angezeigt werden. Der ryhthmisch-zeitliche Verlauf der Musik wird allerdings sehr unscharf wiedergegeben. Es gibt also einige Grenzen der analytischen Möglichkeiten.

Zusammenfassung

Der Organist Dominik Susteck hat für seine Improvisation „Kabinett“ keine konkrete musikalische oder strukturelle Vorlage verwendet. Ausgangspunkt für die Improvisation war das selbst gewählte Thema im dramaturgischen Kontext des Konzerts. Das Stück weist eine fast durchgehende Verwendung der für die Orgel charakteristischen perkussiven Register auf. Die Grundidee der Musik ist die Gegenüberstellung und Zusammenführung von hellen und dunklen Klängen der Orgel. Sie ist in einen Rahmen von zwei einmaligen Klängen eingebettet und vollzieht innerhalb dieses Rahmens eine Steigerung. Die Verdichtung der thematischen Gegensätze erfolgt im zentral gelegenen Kernstück.

Die vorliegende Spektral-Analyse sowie die Self-Similarity-Matrix geben in erster Linie Auskunft über die Schnittstellen der musikalischen Abschnitte. Einzelne Klangelemente und Registrierungen sind meist nicht spezifisch zu erkennen. Die größere Form der Improvisation geht aus der Self- Similarity-Matrix hervor. Allerdings sorgt die Vielschichtigkeit der Musik für Unklarheit in der meist zu kleinteiligen Bestimmung der Matrix.

Arno Krokenberger